Das Dach muss nicht perfekt nach Süden zeigen
Eine nach Süden ausgerichtete Fläche mit ungefähr 30 Grad Neigung liefert in Deutschland meist einen hohen Jahresertrag. Das ist ein günstiger Ausgangspunkt, aber keine Mindestanforderung. Auch Dächer mit Ost- oder Westausrichtung können wirtschaftlich und technisch sinnvoll genutzt werden.
Der Unterschied zeigt sich vor allem im Tagesverlauf. Eine Südanlage erreicht ihre stärkste Produktion um die Mittagszeit. Bei Ost-West-Flächen verteilt sich die Erzeugung breiter auf Morgen und Nachmittag. In einem bewohnten Einfamilienhaus kann das besser zum tatsächlichen Verbrauch passen, obwohl der Jahresertrag etwas niedriger liegt.
Eine pauschale Bewertung allein nach Himmelsrichtung greift deshalb zu kurz. Benötigt werden eine realistische Ertragssimulation und der Vergleich mit dem Lastprofil des Hauses. Bei einem Flachdach kommt zusätzlich die Frage hinzu, wie die Modulreihen angeordnet werden, ohne sich gegenseitig zu verschatten.
Dachzustand und Verschattung kommen vor der Anlagenleistung
Module und Unterkonstruktion bleiben lange auf dem Gebäude. Eine Dacheindeckung, die in wenigen Jahren ohnehin erneuert werden muss, ist daher kein guter Ausgangspunkt. Sonst wird die Anlage für die Dachsanierung demontiert und später erneut montiert. Gerüst, Elektrik und Arbeitszeit fallen dann doppelt an. Wird das Dach ohnehin im Rahmen einer energetischen Sanierung des Gebäudes bearbeitet, sollten beide Projekte zusammen geplant werden.
Zur Prüfung gehören außerdem Tragfähigkeit, Befestigungsmöglichkeiten und der Zustand der Dachhaut. Bei älteren Faserzementplatten oder einem unklaren Materialaufbau reicht ein Blick vom Garten nicht. Vor Bohr- und Montagearbeiten muss geklärt sein, worauf tatsächlich gearbeitet wird.
Schatten ist ebenfalls kein Randthema. Ein Kamin, eine Gaube oder ein Baum kann einzelne Module zu bestimmten Tageszeiten deutlich ausbremsen. Gute Planung ordnet Module und elektrische Stränge so an, dass lokale Verschattung nicht unnötig große Teile der Anlage beeinträchtigt. Manchmal ist eine kleinere, sauber belegte Fläche besser als ein Dach, das bis in jede problematische Ecke gefüllt wird.
Die Anlage für den künftigen Strombedarf planen
Der Jahresverbrauch aus der letzten Abrechnung beschreibt nur den heutigen Haushalt. Eine Wärmepumpe, ein Elektroauto, eine Klimaanlage oder mehr Arbeit im Homeoffice können das Lastprofil deutlich verändern. Deshalb sollte vor der Dimensionierung geklärt werden, welche elektrischen Verbraucher in den nächsten Jahren wahrscheinlich hinzukommen.
Wer eine Wärmepumpe im Bestandsgebäude plant, braucht nicht nur mehr Strom, sondern verbraucht ihn vor allem während der Heizperiode. Die PV-Anlage produziert dann weniger als im Sommer. Eine hohe Jahresproduktion allein sagt daher noch nicht, welcher Anteil direkt im Haus genutzt werden kann.
Ebenso wichtig ist die Tageszeit. Läuft die Wärmepumpe bevorzugt bei Solarertrag oder wird das Auto meist tagsüber geladen, steigt der Direktverbrauch. Bleibt das Haus bis zum Abend leer, sieht die Rechnung anders aus. Solche Unterschiede gehören in die Simulation, nicht in eine spätere Erklärung dafür, warum die Prognose verfehlt wurde.
Eine kleine Anlage ist nicht automatisch die wirtschaftlichere Lösung
Es klingt zunächst plausibel, die Anlage genau auf den eigenen Direktverbrauch zu begrenzen. In der Praxis führt das häufig zu einer sehr kleinen Belegung, obwohl auf dem Dach noch geeignete Fläche vorhanden wäre. Gerüst, Elektroanschluss, Planung und Wechselrichter verursachen jedoch Fixkosten, die bei wenigen Modulen stärker ins Gewicht fallen.
Deshalb sollte mindestens eine größere Variante mitgerechnet werden. Nicht jede zusätzliche Kilowattstunde wird im Haus verbraucht; Überschüsse gehen ins Netz. Trotzdem kann die größere Anlage über ihre Lebensdauer günstiger arbeiten als ein knapp ausgelegtes System mit hohen spezifischen Kosten. Die Grenze setzt nicht ein allgemeiner Autarkie-Wunsch, sondern das konkrete Dach, das Budget und eine nachvollziehbare Wirtschaftlichkeitsrechnung.
Der Speicher wird nach Erzeugung und Verbrauch dimensioniert
Ein Batteriespeicher kann Solarstrom vom Nachmittag in den Abend verschieben. Er erzeugt aber keine zusätzliche Energie. Deshalb wird zuerst festgelegt, wie viel die PV-Anlage voraussichtlich produziert und wie der Haushalt den Strom über den Tag verteilt verbraucht. Erst danach lässt sich beurteilen, welche nutzbare Speicherkapazität sinnvoll ist.
Ein zu großer Speicher bleibt über weite Teile des Jahres ungenutzt oder wird im Winter kaum vollständig geladen. Ein zu kleiner Speicher kann dagegen regelmäßig früh voll sein. Vor der Angebotseinholung sollten daher Dachzustand, Verschattung, belegbare Fläche, heutiger und künftiger Verbrauch sowie gewünschtes Betriebsmodell feststehen. Dann wird aus einer Modulliste ein Anlagenkonzept.